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Es war “Als ob nicht geschehen wäre”

Sieben Kinder allein … und im Garten … eine Leiche…

Das Buch

Der Ort: Ein großes Stadthaus in London. Im Mittelpunkt: Sieben Kinder, das Älteste ist 13. Sie leben zusammen mit ihrer schwerkranken und bettlägrigen Mutter in einem Haus. Einen Vater gibt es nicht. Der Tagesablauf ist geregelt: Nach der Schule geht jedes der Geschwister seinen Aufgaben im Haus und eigenen Interessen nach, damit der Alltag gemeistert und die Mutter versorgt wird. Das Leben verläuft in geordneten Bahnen – wobei die Älteren immer ein Auge auf die Jüngeren haben.
Doch die Harmonie wird zerstört, als Elsa eines Abends entdeckt, dass ihre Mutter gestorben ist. Die Kinder beschließen in ihrer Trauer und in ihrer Angst vor dem Waisenhaus die Leiche der Mutter im Garten zu begraben und ihr Leben so weiterzuleben “als ob nichts geschehen wäre”. Sie beschließen, den Tod ihrer Mutter mit allen Mitteln vor der Außenwelt zu verbergen. Doch dieser Entschluss birgt fatale Folgen…

Fazit

Kinder, Mutter ist hinüber gegangen.

Mit diesem Satz wird der Hörer in eine unfassbares Drama hineingezogen, aus dem es kein Entrinnen gibt.
Sieben Geschwister und sieben unterschiedliche Persönlichkeiten in einer Extremsituation, die kein Ende nimmt. Die Tragweite ihrer Entscheidung wird für die Kinder mit der Zeit immer abstrakter und verschwommener. Geichzeitig bildet ihr Geheimnis die Rechtfertigung für alle Taten und Entscheidungen, die getroffen werden. Der Autor benutzt die verschiedenen Sichtweisen der Kinder, um sie in jedem Kapitel aufeinanderprallen zu lassen. Besonders das Machtverhältnis der älteren Kinder unterliegt einer ständigen Veränderung und Entwicklung. Da mit jedem Konflikt das Gleichgewicht erschüttert wird, muss das Verständnis von Gerechtigkeit und Moral aus Kindersicht unerbittlich neu definiert werden.
Der Sprecher Jens Wawrczeck erzählt eine Geschichte voller Zwiespalt und seelischer Abgründe. Die Unschuld der Kinder trägt zu ihrer Schuld bei. Als Hörer muss man hilflos mit anhören, wie die Kinder in ihrer naiven Unschuld entschieden – jedoch grausam – zum Wohle der Familie handeln. Am liebsten möchte man als Hörer in die Geschichte einschreiten, um das Schlimmste zu verhindern. Doch Herr Wawrczeck erzählt mit solch einer Intensität und fein herausgearbeiteten Nuancen, dass man beinahe klaustrophobisch gebannt und gleichzeitig voller schlimmer Vorahnungen das Geschehen im Haus weiterverfolgt. Das größte Lob an den Sprecher, der meisterlich sieben Hauptstimmen plus zusätzliche Personen einfach stark und stimmig interpretiert.

Bewertung

Düster, beklemmend und schockierend. Eine Geschichte, die man weder fassen noch vergessen kann.

 

 

 

Der Autor

Im Alter von 33 Jahren veröffentlichte Julian Gloag 1963 seinen ersten Roman Als ob nichts geschehen wäre. Heute in Vergessenheit geraten galt dieses Buch als Klassiker des britischen Horrors.

Der Sprecher

Jens Wawrczeck wurde 1963 in Dänemark geboren, lebt in Hamburg und Paris und ist schon seit seiner Kinderzeit einer der meistbeschäftigten Sprecher Deutschlands. Neben seiner Mitwirkung in unzähligen Hörspielen (u. a. Die drei ???) und Hörbüchern (Ohrkanus 2010 für Das Graveyard Buch) ist Jens Wawrczeck als Theaterschauspieler ebenso wie als Synchronbuchautor und -regisseur tätig.

Titel: Als ob nichts geschehen wäre
Originaltitel: Our Mother`s House
Autor: Julian Gloag
Sprecher: Jens Wawrczeck
Gattung: Grusel-Drama
ISBN: 978-3-7857-3881-8
Verlag: Lübbe Audio, 2009
Hörprobe

Arabella

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