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E-Reader – Oh, Graus?

Haben Sie auch Kindles? Nein, den Kindle gibt es nur bei Amazon.
Ja, es ist tatsächlich so. Der allgemeine Name für diese handlichen elektronischen Lesegeräte ist nicht Kindle, sondern E-Reader auf denen man E-Books liest. Wie mächtig Amazon ist, ist wahrscheinlich kein Geheimnis mehr, allerdings noch lange kein Grund die Flinte ins Korn zu werfen und auch nicht einen besagten Kindle zu kaufen.
Zu unser aller Glück, sind wir, die Deutschen, ein absolutes Gewohnheitstier und außerdem mehr mit der deutschen Tradition verbunden, als wir uns selber zugestehen würden. Wer hat schließlich den Buchdruck erfunden? Richtig: Ein Deutscher. Anfang des 15. Jahrhunderts erfand the one and only Johannes “Gutenberg” Gensfleisch den Buchdruck. Ebenso wichtig ist dem Land der Dichter und Denker Papier und Tinte. Nun ja, das brauchen wir natürlich alles nicht mehr, wenn wir nur noch digital lesen. Oder?
Dann kommt noch hinzu, dass E-Books in Deutschland einen relativ hohen Preis haben und zudem ebenfalls preisgebunden sind. Und dann auch noch die Mehrwertsteuer von 19 % – warum also auf den Zug aufspringen? Um den Preis zu senken, gäbe es natürlich Ansätze. Womöglich kommt irgendjemand auf die Idee Werbung in E-Books umzusetzten, um dadurch den Preis zu senken? Das ist kein neuer Gedanke. Schließlich haben Verlage vor nicht allzu langer Zeit passende Werbung entsprechend in Büchern platziert. Abgesehen davon gibt es in Deutschland dank der Buchpreisbindung noch an fast jeder Ecke einen Buchhändler, bei welchem man auch gleichzeitig das Problem der Zahlung per Kreditkarte nicht hat. Ja, das Internet ist ja so böse!
Immer und Überall. Das liebe Internet macht es möglich. Es macht Informationen überall zugänglich, solange man online ist. Deshalb kann man auch fast immer und überall neue E-Books erwerben. Außerdem sind sie leicht und besonders praktisch für den Urlaub. Da die Regalmeter in einer Wohnung auch nicht unendlich sind, kann man auch hier ordentlich Platz sparen. Tausende von Bücher kann man mit einem E-Reader überall mit hinnehmen. Ob das sein muss, sei dahin gestellt, aber immerhin hat man die Möglichkeit. Praktischerweise ist in den meisten E-Readern auch noch mindestens ein Wörterbuch vorhanden, was nicht nur für die Reise durch ferne Ländern, sondern auch noch für die Lektüre von fremdsprachiger Literatur besonders praktisch ist.
Freiheit: Das ist das Schlagwort, weshalb die meisten am besten gar nicht über den Kauf eines Kindles nachdenken sollten. Gebunden an einen mächtigen Großunternehmer, der immer weiß was ich wann und am besten auch noch wo lese, der mich voll und ganz an sein Gerät bindet und mir nicht die Freiheit gibt überall E-Books runterzuladen (abgesehen von der illegalen Option, dass man die E-Books in ein anderes Format umwandeln kann), kommt zumindest mir nicht ins Haus. Ja, er ist günstig und man hat seit der neuesten Generation dank der 3G Technologie überall die Möglichkeit Bücher auf das Gerät zu überspielen. Aber will man denn wirklich ständig konsumieren (können)? Laut Amazon natürlich. Gar keine Frage.
Wie ihr euch schon denken könnt, habe ich mich deshalb nicht für einen Kindle entschieden. Mein E-Reader ist rot, handlich, hat W-Lan und ist seit einem halben Jahr mein stetiger Begleiter. Ja, es ist der Sony PRS-T1 (mir ist bisher ansonsten kein anderer Roter über den Weg gelaufen) und ich habe ihn, weil ich denke, dass E-Books in Zukunft immer wichtiger werden. Zudem finde ich es toll, dass ich damit auch mal kurz ins Internet (abgesehen von meinem Smartphone) gehen kann und immer ein gutes Buch in meiner Handtasche habe, das nicht kaputt gehen kann oder meine Tasche füllt, sodass nichts Weiteres hinein passt. Und Überraschung: Es gibt viele weitere E-Reader, die günstig sind und mit denen man an keinen Anbieter gebunden ist. Sicherlich werden E-Reader und E-Books auch irgendwann die absoluten Buchfetischisten des gedruckten Mediums überzeugen können, worunter die Sammelleidenschaft besonders schöner Ausgaben natürlich nicht leiden muss. Aber will man wirklich jeden x-beliebigen Krimi in seinem Regal stehen haben? (Um nur ein Beispiel zu nennen.)
Das elektronische Lesen ist schließlich nichts Neues. Böse Zungen behaupten ja, dass der Mensch nicht mehr so viel lesen würde, wie noch vor 50 Jahren. Das ist so nicht ganz richtig. Er liest weniger gedruckte Bücher. Dafür ist das punktuelle Lesen und Lesen am Monitor wichtiger geworden. Wir lesen nur anders, was bei dieser regelrechten Informationsflut nicht nur angebracht, sondern sogar nötig ist.
Ich bin wirklich gespannt wie die Entwicklung weiter geht und ob der personifizierte Teufel Amazon alles an sich reißen wird. (Oder Facebook? Oder Google? Oder einfach alle? Muhahaha….)

(c) Uli Stein
Veröffentlicht unter: denken! · Etiketten: Amazon, E-Books, E-Reader, Gutenberg, Kindle, Sony, Sony PRS-T1, Stellungnahme
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