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Der gemeine Leser von heute

Lesen ist mehr als Bücherkonsum. Lesen ist wie eine Kunst. Ich habe achtzig Jahre dafür gebraucht und kann noch jetzt nicht sagen, daß ich am Ziel wäre.

Johann Wolfgang v. Goethe

Wahre Worte wie ich finde und ebenso eine Tugend, die nicht unbedingt Mainstream ist.

Besonders angesagt sind noch immer Vampirschmöker oder anders: Vampir-Schmonzetten. Dabei klitzern zum Glück nicht alle Vampire, aber im Grunde geht es doch nur um Liebe und Herzschmerz. Ja, Vampire haben es halt in sich. Und wer möchte nicht mal gerne in den Hals gebissen werden und von oben bis unten voll Blut beschmiert sein? Dem ebenbürtig ist die Romantasy. Hier müssen es dann nicht mehr unbedingt besagte Blutsauger sein, sondern auch gerne irgendwelche anderen Fabelwesen. Na ja, und was im Augenblick der Knaller ist, könnt ihr euch fast denken. Dystopien. Die Tribute von Panem haben es ausgelöst. Eine Dystopie folgt der Nächsten und natürlich darf auch hier ein gewisses Pensum an Liebe nicht fehlen. Wo sind nur die guten alten Zeiten hin, in denen noch Abwechslung gefragt gewesen ist?

Es muss ja nicht immer etwas hoch Literarisches sein, aber der Anschein ist beinahe so, dass der Lesende mit den Jahren ebenso absgetumpft ist, wie der gemeine Fernsehgucker. Natürlich gibt es auch Fernsehperlen, aber diese sind neben Talkshows und der x-ten Kochshow, mal ganz abgesehen von der Scripted Reality, auch nur noch kleine Hoffnungsschimmer. Schade, denn die Literatur ist wesentlich vielfältiger und diese Vielfältigkeit kann gerade jetzt in vollem Maße ausgenutzt werden, wenn man bedenkt, wie einfach es ist auch eigene Texte im Internet publik zu machen.

Leider ist die Tendenz stetig sinkend. Die Nachfrage nach etwas Anspruchsvollen strebt gegen Null, wenn man denn davon ausgehen kann, das dem Leser auch bewusst ist, was es bedeutet den Wunsch zu äußern, dass man etwas literarisch Hochwertiges lesen möchte. So viel vorweg: Tommy Jaud gehört nicht zu dieser Kategorie. Ebenso traurig ist es, dass Jugendliche und junge Erwachsene höchstens für die Schullektüre den Weg zu den Klassikern finden – wenn sie ihn denn finden.

Deshalb meine Botschaft für den Juni. Auch etwas Anspruchsvolleres oder einfach mal etwas ganz Anderes zu lesen, macht Spaß. Es eröffnet neue Horizonte und weitet den Blick. Die Mischung macht´s. ;)

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