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Das Leben eines Nobelpreisträgers: Thomas Mann
Was für eine sonderbare Familie sind wir!
Man wird später Bücher über uns -
nicht nur über einzelne von uns schreiben.
(Tagebuch Klaus Mann, 1936)
Dieser Tagebucheintrag von Thomas Manns Sohn Klaus sollte sich nur allzu sehr bewahrheiten. Aber zuvor reisen wir noch weiter in die Vergangenheit.
Von der Kindheit zum ersten Novellenband

Heinrich und Thomas Mann um 1902 (Quelle: Wikipedia)
Am 6. Juni 1875 wurde Thomas Mann in Lübeck geboren. Während sein Vater Johann Heinrich Mann über Generationen hinweg Lübecker war, kam seine Mutter ursprünglich aus Brasilien. Thomas Mann hatte vier Geschwister, von denen Heinrich Mann den meisten Lesern bekannt sein dürfte. Ihre Kindheit verbrachten die Geschwister in Lübeck. Einige Monate nach dem Tod des Vaters zog Julia Mann Ostern 1892 mit ihren jüngsten Kindern nach München. Thomas folgte ihr 1894, nachdem er die Schule (die er verabscheute) beendet hatte. Schon früh begann er zu schreiben. Seine erste Erzählung, eine Liebesnovelle mit dem Titel Gefallen brachte ihm den ersten literarischen Erfolg. 1896 reiste er nach Italien und traf sich dort mit seinem Bruder Heinrich. In Italien, genauer gesagt in Rom, begann Thomas Mann im Herbst 1897 Buddenbrooks zu schreiben. In Stunden des Übermuts dachten die Brüder daran eine Art „Gipperroman“ auf Lübeck und die liebe Verwandtschaft zu schreiben. Thomas schrieb den Roman allein. Aus dem spielerischen Ulk erwuchs ein Werk der Weltliteratur. Im Mai 1897 erschien die Novelle Der kleine Herr Friedemann in der Neuen Deutschen Rundschau. Unter dem gleichen Titel erschien ein Novellenband beim S. Fischer Verlag.
Die Eheschließung und Geburt der Kinder

Die Kinder der Manns (Rowohlt)
Als Thomas Mann seine spätere Frau Katia Pringsheim traf, war er schon ein bekannter Schriftsteller. Katia studierte Mathematik an der Universität München. Die Enkelin der Schriftstellerin und Frauenrechtlerin, Hedwig Dohm (1833 – 1919), dachte eher an ihre berufliche Zukunft und nicht ans Heiraten. Dennoch konnte Thomas Mann sie für sich gewinnen und die beiden gingen am 11. Februar 1905 den Bund der Ehe ein. Im Januar 1914 bezogen sie ihr Haus an der Poschingerstraße 1 in München und lebten dort bis 1933. Sechs Kinder kamen zur Welt: Erika (1905), Klaus (1906), Golo (1909), Monika (1910), Elisabeth (1918) und Michael (1919). Jedes der sechs Kinder wird später von sich reden machen und auf die eine oder andere Art berühmt werden. Für den ersten Eindruck ist das Buch Die Kinder der Manns, herausgegeben von Uwe Naumann (Rowohlt Verlag, 2005), sehr zu empfehlen.
Das Leben eines Nobelpreisträgers
In den folgenden Jahren entstanden Romane, Novellen, Essays und Aufsätze. Katia hielt ihren Mann, der täglich und unermüdlich schrieb, den Rücken frei. Sie kümmerte sich um die Familie und war gleichzeitig seine Sekretärin. Die Ferien verbrachte die Familie im Ferienhaus in Tölz, oder an der – von Thomas Mann so sehr geliebten – Ostsee. Gekrönt wurde diese Zeit mit dem Nobelpreis, der ihm am 10. Dezember 1929 verliehen wurde.
Das Ende der Weimarer Republik und die Emigration von Thomas Mann
Schließlich kam das Ende der Weimarer Republik immer näher. Thomas Mann hatte die Nationalsozialisten seit den frühesten Auftritten Hitlers beobachtet. Am 17. Oktober 1930 hielt er im Beethovensaal in Berlin die „Deutsche Ansprache“, in der er vor den aufkommenden Gefahren des Nationalsozialismus warnte. Thomas und Katia begaben sich im Jahr 1933, kurz nach der Machtübernahme Hitlers, zur Erholung nach Arosa. Sein Sohn Golo, der daheim geblieben war, warnte ihn vor einer Rückkehr und so hatte die Emigration für ihn begonnen, ohne dass er ausgewandert war.
Von der Schweiz aus bezogen die Manns ein Haus in Sanary-sur-Mer, an der französischen Südküste. Sanary war damals Treffpunkt vieler Emigranten, darunter Feuchtwanger, Brecht, Werfel und Heinrich Mann. Im Jahr 1938 übersiedelte die Familie nach Princeton/USA. Für Thomas Mann war das eine sehr schwere Zeit. Der Verehrer von Goethe und Schiller musste mitansehen, wie sich sein geliebtes Deutschland veränderte und unaufhaltsam dem Zweiten Weltkrieg entgegensteuerte.
Aus einem Brief an Robert Faesi, am 2. Dezember 1952:
Wir haben in Erlenbach, hoch überm See, ein Häuschen gemietet und hoffen, Mitte des Monats dort einziehen zu können. Es ist die Wiederaufnahme der Lebensform von 1933 – 1938, die ich mir in 15 amerikanischen Jahren eigentlich immer zurückgewünscht habe.
Die letzten großen Auftritte

Thomas Mann um 1955 (Ullstein Bilderdienst)
Anfang 1954 kaufte sich Thomas Mann in Kilchberg/Schweiz ein letztes Mal ein Haus. Seine letzten großen Auftritte waren die Schiller-Feiern in Weimar und Stuttgart 1955. Am 20. Mai wurde ihm im Lübecker Rathaus die Ehrenbürgerschaft verliehen.
Er kränkelte oft und fühlte sich müde. Aber er arbeitete unentwegt – wie er das immer getan hatte. Er wusste: Er lebte, solange er schrieb. Im Juli 1955 unternahm er mit seiner Frau eine Reise nach Holland. Dort erkrankte er an einem Gefäßleiden. Er flog nach Zürich und begab sich zur Behandlung ins Kantonsspital. Dort starb er am 12. August 1955 um 20 Uhr.
Es gäbe noch sehr viel über Thomas Mann zu erzählen. Über das Verhältnis zu seinen Kindern, zu seinem Werk, oder zu seiner Homosexualität, die er nur in seinen Gedanken auslebte. Das würde hier allerdings definitiv den Rahmen sprengen. Vielleicht hat nun der Ein oder Andere Lust bekommen, sich etwas näher mit ihm und/oder seiner Familie zu befassen.
Das letzte Wort soll natürlich Thomas Mann haben:
Ich bin ein kindischer und schwacher Fant,
Und irrend schweift mein Blick in alle Runde,
Und schwankend fass’ ich jede starke Hand.
Und dennoch regt die Hoffnung sich im Grunde,
Daß etwas, was ich dachte und empfand,
Mit Ruhm einst gehen wird von Mund zu Munde.
Schon klingt mein Name leise in das Land,
Schon nennt ihn mancher in des Beifalls Tone,-
Leute sind’s von Urteil und Verstand.
Ein Traum von einer schmalen Lorbeerkrone
Scheucht auf den Schlaf mir, unruhvoll, zur Nacht,
Die meine Stirn einst zieren wird zum Lohne
Für dies und jenes, was ich gut gemacht.
(1899)
Eine kleine Auswahl seiner Werke:
1894 – Gefallen, Novelle
1897 – Der kleine Herr Friedemann, Novelle
1901 – Buddenbrooks, Roman
1903 – Tonio Kröger, Novelle
1909 – Königliche Hoheit, Roman
1912 – Der Tod in Venedig, Novelle
1918 – Betrachtungen eines Unpolitischen
1919 – Herr und Hund, Ein Idyll
1922 – Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull, Roman
1924 – Der Zauberberg, Roman
1926 – Unordnung und frühes Leid, Novelle
1943 – Joseph, der Ernährer, Roman (4. Teil der Joseph Romane)
1947 – Doktor Faustus, Roman
1951 – Der Erwählte, Roman
(ul)
Quelle: Wysling, Hans (Hrsg.), Thomas Mann – Ein Leben in Bildern, S. Fischer Verlag, 1997.
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